Freude an der medizinischen Tätigkeit 

Faszination: Bewegungsapparat

Den Bewegungsapparat als biomechanische Einheit lernte ich über eine intensive sportmedizinische, orthopädische-unfallchirurgische sowie physikalische Ausbildung kennen. Sehr bald wurden mir aber die Grenzen der vorwiegend mechanischen Konzepte dieser Disziplinen aus linearen Einzelteilen mit unterschiedlichen Hebeln bewusst.

Mit dem Kennenlernen des Konzepts des Fasziendistorsionsmodell nach Dr. Stephen Typaldos, erweiterte sich mein medizinisches Weltbild grundlegend.

Zu einem die Kontinuitätsauffassung (Theorie des Faszienkontiuums) als einer der zentralen Aspekte im FDM, dass alles im menschlichen Körper miteinander verbunden, ineinander übergeht bzw. lediglich der entgegengesetzte Aspekt des Gleichen (Knochen - Band ) ist, bestätigte sich meine Ansicht, dass wir nicht aus zerlegbaren Einzelteilen bestehen, sondern, dass es sich um ein zusammenhängendes Ganzes handelt. 

 

Zum anderen der unmittelbar daraus resultierende therapeutische Handlungsimperativ, der sich mit der Ansicht ergibt, dass Faszien-Verformungen sofort rückgängig gemacht werden können. 

Fluoreszenz-Mikroskop Bild des Übergangs von Sehne (links unten) zu Knochen (rechts oben). In der Mitte sind die feinen Fasern des Collagen-Typs 2 zu sehen. – Bild: Rossetti/Kuntz / TUM

Die Patienten sind damit nicht länger hilflos einem Verfall, Abnützung, Abrieb ausgesetzt (Arthrose Modell, Modell des Bandscheibenvorfalls). Denn diese medizinischen Betrachtungsweisen sind nach dem FDM für ihre Beschwerden nicht relevant.

 

Dieses sehr positive und bereichernde medizinische Weltbild hat mich in meiner Arbeit mit meinen Patienten und auch in meiner Persönlichkeit entscheidend vorangebracht.

 

Einen zusätzlichen sehr bereichernden Input erfuhr ich von der bis vor 10 Jahren kaum bekannten Faszien Forschung, die Faszien als alles umhüllende und durchdringende körperweite Matrix mit scheinbar fraktaler Anatomie, Biomechanik und Physiologie zu begreifen begann. 

 

Die FDM Begeisterung hat mich bis heute nicht verlassen. Seit der Mitorganisation des 5. FDM-Weltkongresses in Wien 2011 bin ich Teil der EFDMA (European Fascial Distortion Model Association). Als derzeitiger Vizepräsident der EFDMA bemühen wir uns mit großem Erfolg seit Jahren die Lehre, Forschung und praktische Anwendung des FDMs und der manuellen Typaldos Methode in der medizinischen Welt zu etablieren.

Faszination: Sportmedizin

Um Sportler begreifen zu können, muss man selbst sportbegeistert sein. Nicht selten höre ich von Kollegen, dass Sportler mühsam, anstrengend und zu anspruchsvoll sind. Das ist für mich oft schwer nachvollziehbar, denn ich liebe Sportler! Ich schätze Menschen, die sich für etwas begeistern, sich motivieren und ihren Sport leben. Gerade diesen Spirit erlebe ich u.a. in zahlreichen Wettkampfbetreuungen, vorwiegend im Ausdauerbereich (Triathlon, Ultraläufe) immer wieder auf das Neue.

​​​​Faszination: human microcosm

Gesundheit bedeutet für mich das Gleichgewicht von Struktur, Stoffwechsel und Psyche. Der Ansatz mit körpereigenen Substanzen wie Vitaminen oder Spurenelementen regulativ und präventiv zu therapieren und so Ursachen zu beseitigen, statt Symptome nur zu lindern, hatte mich von Anfang an überzeugt. 

 

Mit dem Eintauchen in den Mikrokosmos Biochemie, Molekularbiologie, Physiologie, Immunologie, das Zusammenspiel auf zelluläre Ebene von Oxidation / Zellschutz durch Anti-Oxidantien zeigen sich die komplexe Wechselbeziehungen zwischen den Bereichen Struktur (z.B. Faszien, Muskel, Knochen), biochemischen Vorgängen (z.B. Regulation der Stoffwechselfunktionen durch Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) und Psyche (z.B. emotionale Ursachen wie Stress oder seelische Traumata).​​

Microscope image of Vitamin C (ascorbic acid) in crystallized form

Und her findet sich ein "faszinierender" Bekannter wieder: unser Bindegewebe als stoffwechselaktives Endstromorgan, das zum einem strukturell als Transportsystem für den An- und Abtransport von Nährstoffen und giftigen Abbauprodukten dient und zum anderen funktionell mannigfaltige Aufgaben in der Immunregulation (mechanisches Bollwerk gegen Erreger, Ort der Immunedukation, Psychoneuroendokrinologie) übernimmt. Und nicht zuletzt als ein mechano-sensibles Sinnesorgan uns ständig Feedback über metabolische und strukturelle Vorgänge liefert.

 

Pischinger Raum, extrazelluläre Matrix, System der Grundregulation, das  sind alles Synonyme für einen Bereich, den der österreichische Histologe Prof. Dr. med. Alfred Pischinger (1899-1983) als Pionier, weit vor der inzwischen etablierten Faszien Forschung, in seiner Bedeutung erkannt, erforscht und beschrieben hat. Pischinger veröffentlichte seine Erkenntnisse 1975 als "System der Grundregulation".  

 

Alfred Pischinger und Stephen Typaldos waren Pioniere ihrer Zeit für eine ganzheitlichen Betrachtungsweise,  die mich in meinem beruflichen Werdegang entscheidend beeinflussten.